Fahrtenschreiber-Regeln

Die europäischen Fahrtenschreiber-Regeln bestehen aus einem komplexen Regelwerk, das schwer zu verstehen, geschweige denn anzuwenden sein kann. Wenn Sie sich nicht mit diesen Regeln auskennen, kann dies schnell zu großen Problemen für jedes Unternehmen führen, das mit Haftbarkeiten auf Grundlage von Fahrtenschreibern zu tun hat. Dieser Artikel soll ein kurzer Überblick sein, der für Fahrer, Planer und Flottenmanager, die mit Fahrtenschreibern, Fahrtenschreiberdaten und Compliance zu tun haben, nützlich sein wird.

Die europäischen Fahrtenschreiber-Regeln

Die Regeln gelten sowohl für digitale als auch analoge Fahrtenschreibern. Regelverstöße führen zu hohen Bußgeldern (siehe auch: Bußgelder bei Fahrtenschreibern).

Es ist wichtig zu wissen, dass eine „Woche“ in Bezug auf Fahrtenschreiber nicht unbedingt eine Woche bedeuten muss, wie wir sie kennen (von Sonntag bis Montag), obwohl diese auch 7 Tage lang ist. Eine Woche startet für Fahrtenschreiber am Ende der wöchentlichen Ruheperiode. Damit kann eine Woche für Fahrtenschreiber an jedem Wochentag starten.

Regeln zu den maximalen Fahrstunden

  • Die maximale zweiwöchentliche Fahrzeit beträgt 90 Stunden.
  • Die maximale wöchentliche Fahrzeit beträgt 56 Stunden.
  • Die maximale tägliche Fahrzeit beträgt 9 Stunden; diese kann auf bis zu 10 Stunden für maximal 2 Mal pro Woche verlängert werden.

Fahrtenschreiber-Regeln bezüglich Pausen

  • Alle 4,5 Stunden Fahrzeit muss der Fahrer mindestens 45 Minuten Pause machen. Der Fahrer kann 45 Minuten am Stück nehmen, oder sie in eine Pause mit 15 Minuten und einer Pause mit 30 Minuten (insgesamt 45 Minuten) aufteilen.

Regeln zu täglichen Pausen/Ruhezeiten

  • Tägliche Ruhezeit: Ein Fahrer sollte mindestens 11 Stunden pro Tag ruhen. Diese Ruhezeit kann in 2 getrennte Zeitspannen über insgesamt 12 Stunden aufgeteilt werden:
    • Die erste Zeitspanne muss mindestens 3 aufeinanderfolgende Stunden lang sein;
    • gefolgt von einer Zeitspanne mit mindestens 9 aufeinanderfolgende Stunden.
  • Zwischen den zweiwöchentlichen Ruhezeiten ist eine kürzere Ruhezeit als mindestens 9 aufeinanderfolgende Stunden, jedoch nicht länger als 11 Stunden, verboten.
  • Alle täglichen Ruhezeiten müssen innerhalb von 24 Stunden nach der vorherigen Ruhezeit abgeschlossen sein.

Regeln zur wöchentlichen Ruhezeit

  • Die reguläre wöchentliche Ruhezeit beträgt mindestens 45 Stunden.
  • Die reduzierte wöchentliche Ruhezeit beträgt mindestens 24 Stunden. Diese muss innerhalb von 6 Tagen (6×24 Stunden) nach dem Ende der letzten wöchentlichen Ruhezeit beginnen.
  • Jede Verkürzung der wöchentlichen Mindestruhezeit von 45 Stunden muss durch Hinzufügen dieser versäumten Stunden zu einem anderen Pausenabschnitt (tägliche, wöchentliche oder zweiwöchentliche Ruhezeit) ausgeglichen werden und muss vor dem Ende der dritten Woche nach der verkürzten wöchentlichen Ruhezeit kompensiert werden.
  • In jedem zwei-Wochen-Abschnitt muss der Fahrer mindestens einmal 45 Stunden Ruhezeit und einmal 24 Stunden Ruhezeit haben. Ruhezeiten, die sich über einen zwei-Wochen-Abschnitt strecken, können zu einer dieser Wochen, aber nicht zu beiden, gezählt werden.

Doppelbesetzung

Ein Fahrzeug gilt als doppelt besetzt, wenn das Fahrzeug (an irgendeinem Punkt) zwischen zwei täglichen oder einer täglichen und wöchentlichen Pausenzeit, zwei Fahrer an Board hat (die Fahren können und beide eine Fahrerkarte besitzen). Die erste Stunde dieser Fahrtzeit ist optional, was bedeutet, dass es möglich ist, den zweiten Fahrer innerhalb einer Stunde, nachdem die Schicht begonnen hat, abzuholen. Generell gelten die Fahrtenschreiberregelungen für beide Fahrer – abgesehen von den Regeln zu täglichen Ruhezeiten. Bei einer Doppelbesetzung muss jeder Fahrer eine tägliche Ruhezeit von 9 Stunden innerhalb von 30 Stunden haben, die nach Ende der letzten täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit beginnt.

Die ersten 45 Minuten Verfügbarkeit des Beifahrers (wenn dieser nicht arbeitet) gelten als Pause. Lesen Sie auch diesen Artikel über die Doppelbesetzung.

Zusatzhinweis

Wenn ein Fahrzeug über eine Schlafkabine verfügt, kann die Ruhezeit auch vollständig in dem Fahrzeug genommen werden, wenn es stillsteht (dies gilt nicht in allen Ländern!).

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Fahrtenschreiber-Regeln für Fährüberfahrten oder Zugfahrten

Wenn eine Fähre oder ein Zug bei der Fahrt beteiligt ist, sind die Regeln für die täglichen Pausen/Ruhezeit flexibler, aber nur, wenn eine geeignete Schlafunterbringung während der Ruhezeit verfügbar ist (diese kann sich im LKW befinden). Die reguläre tägliche Ruhezeit von 11 Stunden kann zweimal mit anderen Aktivitäten unterbrochen werden, wenn die Gesamtzeit dieser zwei Unterbrechungen eine Stunde nicht überschreitet. Die Gesamtzeit dieser Ruhezeit muss mindestens 11 Stunden betragen. Dies erlaubt dem Fahrer, sich auf der Fähre oder im Zug im Fahrzeug aufzuhalten, ohne seine reguläre Fahrzeit in Anspruch zu nehmen.

Allgemeine Regeln zu Arbeits- und Ruhezeiten

Neben spezifischen Fahrtenschreiber-Regeln gelten in der EU auch allgemeine Regeln zu Arbeits- und Ruhezeiten. Bitte beachten Sie, dass diese Regeln je nach Land unterschiedlich sein können.

  • Die maximale Arbeitszeit pro Woche beträgt 60 Stunden und die durchschnittliche maximale Arbeitszeit über einen Zeitraum von 16 Wochen darf 48 Stunden nicht überschreiten.
  • Alle Pausen müssen nach spätestens 6 Stunden genommen werden und die folgenden Zeiten umfassen:
    • 30 Minuten nach 6 Stunden
    • 45 Minuten nach 9 Stunden
  • Alle Pausen müssen in Abschnitten von mindestens 15 Minuten genommen werden.
  • Die nächtliche Gesamtarbeitszeit je 24 Stunden darf 10 Stunden nicht überschreiten (außer es gilt ein Kollektivarbeitsvertrag, in dem etwas anderes festgelegt ist).

Unvorhersehbare Ereignisse

Natürlich kommt es manchmal vor, dass ein Fahrer die geltenden Fahrtenschreiber-Regelungen nicht genau einhalten kann. Sobald ein Fahrer also keinen geeigneten Halteplatz erreichen kann, kann von diesen Regeln abgewichen werden. Aber nur, wenn die allgemeine Sicherheit nicht gefährdet ist. Sobald eine solche Situation eintritt, sollte der Fahrer die tatsächlichen Ursachen auf der Rückseite seiner Fahrtenschreiberausdrucke vermerken – spätestens dann, wenn ein geeigneter Halteplatz erreicht ist.
Auch wenn dies eine Grauzone ist – regelmäßige und/oder unvorhersehbare Ereignisse können an schlechter Planung aber auch an der Nichteinhaltung der Regeln liegen.

Fahrtenschreiber-Regeln in der EU & AETR

Bitte beachten Sie, dass die hier erläuterten Fahrtenschreiber-Regeln nur in den unten aufgeführten EU-Ländern gelten:

EU-Länder

Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Vereinigtes Königreich.

AETR-Länder

Andere Regeln, die so genannten AETR-Regeln greifen, wenn ein LKW in eines dieser AETR-Länder fährt: Albanien, Andorra, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Kasachstan, Liechtenstein, Mazedonien, Moldawien, Monaco, Montenegro, Russland, San Marino, Serbien, Schweiz, Türkei, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan.

WICHTIG: Dies ist nur eine kurze Übersichtig. Jeder Fahrer und jedes Unternehmen sollte immer das vollständige Rechtsdokument lesen, das hier gefunden werden kann: http://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2006/561/oj


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