RoLa: Die rollende Landstraße

aktualisiert am 11.08.2026

RoLa steht für Rollende Landstraße. Es ist die Form des begleiteten kombinierten Verkehrs, bei der der komplette Lkw (Zugmaschine samt Auflieger und Ladung) über eine Stirnrampe auf einen Zug auffährt. Der Fahrer reist in einem Begleitwagen mit. Es findet keine Umladung und keine Trennung von Fahrzeug und Ladung statt.

Technische Basis sind kurzgekoppelte Niederflurwagen mit Kleinrädern von rund 360 bis 380 mm Durchmesser. Nur dadurch bleibt die Ladehöhe im Lichtraumprofil der Bahnstrecke. Diese Bauart ist wartungsintensiv und ein wesentlicher Kostentreiber der RoLa.

RoLa auf einen Blick

MerkmalAngabe
VerkehrsartBegleiteter kombinierter Verkehr (KV)
Betreiber in ÖsterreichRail Cargo Group (ÖBB)
Aktive Relationen 2026Wörgl–Brennersee, Wörgl–Trento, Wels–Maribor
Volumen Brennerachse 2025rund 102.000 Lkw
Max. Eckhöhe Fahrzeugin der Regel 4,00 m
Max. zul. Gesamtgewicht44 t
FahrerunterbringungBegleitwagen mit Sitz- oder Liegeplätzen
BuchungOnline Booking Center der Rail Cargo Group
Wirtschaftlichkeitohne öffentliche Förderung nicht kostendeckend

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Wie funktioniert die Rollende Landstraße?

Der Ablauf ist in fünf Schritten standardisiert:

  1. Buchung über das Online Booking Center des Betreibers, mit Angaben zu Kennzeichen, Gesamtgewicht, Eckhöhe und Ladungsart einschließlich Gefahrgutklassifizierung.
  2. Anmeldung am Terminal, meist mit Wiegevorgang und Höhenkontrolle.
  3. Auffahrt über eine Stirnrampe am Zugende. Die Lkw rollen nacheinander über die gesamte Zuglänge auf ihren Stellplatz.
  4. Sicherung der Fahrzeuge durch Feststellbremse und Unterlegkeile, danach Umstieg des Fahrers in den Begleitwagen.
  5. Abfahrt unter elektrischer Traktion. Gezogen wird von Elektrolokomotiven, nicht von Triebwagen.

Ein RoLa-Zug fasst je nach Zuglänge und Fahrzeuglänge etwa 20 bis 24 Lkw. Verlade- und Entladevorgang dauern jeweils rund 30 bis 45 Minuten.

Vor der Auffahrt bleibt die Abfahrtkontrolle Pflicht des Fahrers. Höhe, Ladungssicherung und Betriebssicherheit müssen stimmen, bevor das Fahrzeug auf den Waggon rollt. Eine Checkliste zur Abfahrtkontrolle verkürzt den Vorgang am Terminal.

Welche RoLa-Strecken gibt es 2026 in Europa?

Das RoLa-Angebot in Europa ist stark geschrumpft und konzentriert sich auf Österreich. Die Rail Cargo Group betreibt 2026 drei Relationen:

RelationCharakterZweck
Wörgl – Brennersee (v. v.)Kurzstrecke über die Nordrampe des BrennersUmgehung von Stau, sektoralem Fahrverbot und Nachtfahrverbot in Tirol
Wörgl – Trento (v. v.)Durchgehende Brennerquerung nach NorditalienVollständige Alpenquerung ohne Passfahrt
Wels – Maribor (v. v.)Verbindung Oberösterreich – SlowenienSüdosteuropa-Verkehre

Wörgl liegt im Tiroler Unterinntal, rund 40 Kilometer südlich der deutschen Grenze bei Kufstein, nicht direkt an der Grenze.

Wichtige Entwicklung: Die Schweizer Alpen-RoLa auf der Relation Freiburg im Breisgau-Novara wurde eingestellt. Damit existiert im Schweizer Alpentransit keine Rollende Landstraße mehr. Der Schweizer Alpentransit läuft heute nahezu vollständig über den unbegleiteten kombinierten Verkehr.

Auf der Brennerachse wurden 2025 rund 102.000 Lkw über die RoLa befördert, etwa 1.000 weniger als im Vorjahr. Das entspricht im Mittel rund 280 Lkw pro Tag. Zum Vergleich: Über den Brennerpass rollen jährlich rund 2,4 Millionen Lkw auf der Straße. Die RoLa deckt also einen niedrigen einstelligen Prozentsatz des Brenner-Lkw-Verkehrs ab.

Welche Vorteile bietet die RoLa Speditionen?

Umgehung von Fahrverboten in Tirol. Das sektorale Fahrverbot und das Nachtfahrverbot auf der Inntalautobahn treffen den Transitverkehr hart. Wer verlädt, umgeht beide.

Planbare Fahrzeit statt Stau. Auf der Brennerachse sind Blockabfertigung an der bayerisch-tiroler Grenze und Rückstau am Pass wiederkehrende Verzögerungsquellen. Die Zugfahrzeit ist dagegen fahrplanmäßig fixiert.

Emissionsreduktion. Beide Brenner-Relationen sind vollständig elektrifiziert. Der Schienenabschnitt verursacht dadurch je nach Strommix ein Vielfaches weniger CO₂ als die entsprechende Straßenfahrt. Das ist im Rahmen von CSRD-Berichtspflichten und Kundenanforderungen dokumentierbar – ergänzend zu Maßnahmen für umweltschonendes Fahren und systematisches Kraftstoff sparen.

Kraftstoff- und Verschleißersparnis. Auf dem Schienenabschnitt entfallen Dieselverbrauch, Reifen- und Bremsenverschleiß. Gerade auf Bergstrecken mit langen Steigungen und Gefällen ist der Effekt spürbar, nachvollziehbar über die Fahrstil- und CAN-/FMS-Analyse im Flottensystem.

Höheres Gesamtgewicht im Vor- und Nachlauf. Siehe Abschnitt zu Maut und Gewicht.

Ob die RoLa im Einzelfall günstiger ist als die Straßenfahrt, hängt von Relation, Auslastung, Dieselpreis, Lkw-Maut und den Personalkosten für die Zugfahrzeit ab. Eine pauschale Kostenaussage ist nicht seriös möglich.

Zählt die Zeit auf dem RoLa-Zug als Ruhezeit?

Nicht automatisch. Hier liegt der häufigste Irrtum in der Praxis.

Maßgeblich ist Artikel 9 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006. Er erlaubt, eine regelmäßige tägliche Ruhezeit während einer Fähr- oder Zugbeförderung zu unterbrechen. Dafür gelten drei Bedingungen:

  • Die Ruhezeit darf höchstens zweimal unterbrochen werden.
  • Die Unterbrechungen dürfen zusammen maximal eine Stunde betragen. Sie umfassen typischerweise Auf- und Abfahrt vom Waggon.
  • Dem Fahrer muss eine Schlafkabine, Liege oder ein Liegeplatz zur Verfügung stehen.

Daraus folgt: Ein reiner Sitzwagen genügt nicht für eine regelmäßige tägliche Ruhezeit. Nur Züge mit Liegewagen erfüllen die Anforderung. Kurze RoLa-Relationen wie Wörgl–Brennersee sind fahrzeitbedingt ohnehin zu kurz, um eine tägliche Ruhezeit abzudecken – sie eignen sich für Pausen nach Artikel 7, nicht für die Tagesruhezeit.

Dokumentation im Fahrtenschreiber: Der Fahrer muss die Zugbeförderung korrekt erfassen. Die Zeit auf dem Zug ist als Ruhezeit einzutragen, sofern sie als solche genutzt wird; die Fahrzeuge auf- und abfahrt zählt als Lenkzeit. Fehler an dieser Stelle erzeugen bei Kontrollen Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten, die zu Bußgeldern führen. Details zu den Grundlagen finden sich unter Ruhezeiten und Lenkzeiten.

Maut, Gewicht und Fahrverbote: was wirklich gilt

Maut. Auf dem Schienenabschnitt fällt keine Straßenmaut an, weil keine Straße befahren wird. Eine darüber hinausgehende Mautbefreiung für den Vor- und Nachlauf gibt es in Deutschland nicht. Wer mit dieser Erwartung kalkuliert, rechnet falsch.

Zulässiges Gesamtgewicht. Im Vor- und Nachlauf zu einem KV-Terminal sind in Deutschland 44 Tonnen statt 40 Tonnen zulässig. Die Regelung ist an einen Radius um das Terminal gebunden und setzt voraus, dass die Fahrt nachweislich Teil einer KV-Kette ist.

Nachweisdokument. Erforderlich ist eine mitgeführte KV-Begleitbescheinigung mit Angabe von Versand- und Empfangsterminal. Ohne dieses Dokument greifen weder die Gewichtsprivilegierung noch die Fahrverbotsausnahmen. Sie gehört damit zu den Fahrzeugpapieren im Güterverkehr, die im Transit dabei sein müssen.

Fahrverbote. Der Zug verkehrt auch an Wochenenden und nachts. Der Lkw darf im Anschluss auf der Straße aber nur weiterfahren, wenn eine Ausnahme greift. In Deutschland ist der Vor- und Nachlauf im kombinierten Verkehr vom Sonntags- und Feiertagsfahrverbot ausgenommen – wiederum nur mit gültiger KV-Begleitbescheinigung. Das Fahrverbot entfällt also nicht durch die RoLa an sich, sondern durch die KV-Ausnahmeregelung.

RoLa oder unbegleiteter kombinierter Verkehr?

Die RoLa ist innerhalb des kombinierten Verkehrs ein Nischenprodukt. Der Großteil des Volumens läuft im unbegleiteten KV mit kranbaren Sattelaufliegern, Wechselbrücken und Containern.

KriteriumRoLa (begleitet)Unbegleiteter KV
VerladeeinheitKompletter Lkw mit ZugmaschineAuflieger, Container, Wechselbrücke
Fahrerfährt mitbleibt im Ursprungsland
Nutzlast je Zugmeterniedrighoch
TerminalausstattungStirnrampe, einfachPortalkran oder Reachstacker
Kosten je Tonnehöherniedriger
Flexibilität am Zielorthoch, Lkw sofort einsatzbereitZugmaschine muss vor Ort verfügbar sein
EignungTransitumfahrung, nicht kranbare Fahrzeuge, EinzelfahrtenSystemverkehre, hohe Volumina

Der wirtschaftliche Kern: Bei der RoLa fahren Zugmaschine, Fahrer und Begleitwagen als totes Gewicht mit. Ein RoLa-Zug transportiert bei gleicher Länge deutlich weniger zahlende Nutzlast als ein Taschenwagenzug. Genau deshalb ist die RoLa das teurere Verfahren.

Wann RoLa trotzdem sinnvoll ist: bei nicht kranbaren Fahrzeugen, bei Fahrzeugen ohne Wechselsystem, bei unregelmäßigen Einzelrelationen ohne Netzanbindung und dort, wo ein konkretes Fahrverbot umgangen werden muss.

Wie buchen und verladen Speditionen?

Buchung. Über das Online Booking Center der Rail Cargo Group oder über die ROLA-Agentur. Anzugeben sind Kennzeichen, Gesamtgewicht, Eckhöhe, Fahrzeuglänge, Ladungsart und Gefahrgutstatus. Buchungen sind auf mehreren Relationen bis wenige Stunden vor Abfahrt möglich, bei hoher Auslastung ist frühzeitige Reservierung nötig.

Abrechnung. Standard ist die Abrechnung über ein Kundenkonto oder einen Rahmenvertrag. Die Rail Cargo Group akzeptiert zusätzlich verschiedene Tankkarten. Der Fahrer selbst muss dann keine Zahlung leisten. Barzahlung am Terminal ist kein Regelfall mehr.

Terminals. Verladung erfolgt an RoLa-Terminals mit Stirnrampe, in Österreich unter anderem in Wörgl, Brennersee und Wels. Öffnungszeiten und Feiertagsregelungen variieren und sollten vor Antritt geprüft werden.

Ausschlusskriterien. Überhöhe über der zulässigen Eckhöhe, Überbreite, bestimmte Gefahrgutklassen und Fahrzeuge in nicht betriebssicherem Zustand werden zurückgewiesen. Die Höhenmessung am Terminal ist verbindlich.

Warum ist die RoLa auf Förderung angewiesen?

Die RoLa ist in ihrer heutigen Form nicht kostendeckend. Drei Gründe:

  1. Geringe Nutzlastdichte. Zugmaschine, Fahrer und Begleitwagen belegen Zugkapazität ohne Frachterlös.
  2. Teures Wagenmaterial. Niederflurwagen mit Kleinrädern haben hohe Instandhaltungskosten und kurze Radsatzlaufleistungen.
  3. Preiskonkurrenz zur Straße. Der Preis muss unter den Vollkosten der Straßenfahrt liegen, sonst wird nicht verladen.

Österreich und die EU stützen die RoLa deshalb über Förderprogramme, weil sie verkehrspolitisch – Entlastung sensibler Alpenregionen, Einhaltung des Alpenschutzprotokolls – gewollt ist. Fördermittel im Straßengüterverkehr laufen häufig unter der De-minimis-Regelung.

Die Einstellung der Schweizer Alpen-RoLa zeigt, wie eng das Angebot an politischen Entscheidungen hängt. Speditionen sollten RoLa-Relationen daher nicht als dauerhaft gesetzte Infrastruktur einplanen, sondern die Fahrplan- und Förderlage jährlich prüfen.

Häufige Fragen zur RoLa

Was bedeutet RoLa?

RoLa ist die Abkürzung für Rollende Landstraße, den begleiteten kombinierten Verkehr, bei dem komplette Lkw auf Niederflurwagen verladen werden.

Welche RoLa-Strecken gibt es 2026?

Wörgl–Brennersee, Wörgl–Trento und Wels–Maribor, betrieben von der Rail Cargo Group. Die Schweizer Alpen-RoLa wurde eingestellt.

Darf der Fahrer die Zugfahrt als Ruhezeit anrechnen?

Nur unter den Bedingungen von Art. 9 VO (EG) 561/2006: maximal zwei Unterbrechungen, zusammen höchstens eine Stunde, und eine Liegemöglichkeit muss vorhanden sein.

Wie hoch darf ein Lkw für die RoLa sein?

Auf den Brenner-Relationen in der Regel maximal 4,00 m Eckhöhe. Die Messung am Terminal ist verbindlich.

Spart man mit der RoLa Maut?

Auf dem Schienenabschnitt fällt keine Straßenmaut an. Eine Mautbefreiung für den Vor- und Nachlauf gibt es in Deutschland nicht.

Fahrtenschreiberdaten korrekt führen auch bei kombiniertem Verkehr

Zugbeförderungen erzeugen Sonderfälle in der Auswertung von Lenk- und Ruhezeiten. Mit Tacho 360 können Unternehmen den Fahrtenschreiber auslesen und die Fahrerkarte auslesen – vollständig remote und ohne Fahrzeugstillstand. So werden Verstöße erkannt, bevor sie bei einer Kontrolle auffallen. Voraussetzung ist eine gültige Unternehmerkarte. Die Fahrtenschreiber-Analyse ordnet Zugzeiten korrekt zu.

Quellen:


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