Transportleitsystem (TLS)

Letztes Update: 05.10.2026

Ein Transportleitsystem (TLS) ist eine Software, die innerbetriebliche Transportaufträge automatisch an Flurförderzeuge wie Gabelstapler, Routenzüge und fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) verteilt und deren Einsatz steuert. Es wird auch Staplerleitsystem (SLS) genannt. Das TLS erhält Aufträge aus dem Lagerverwaltungssystem (WMS) oder ERP-System. Es wählt das passende Fahrzeug, sendet den Auftrag an den Fahrer oder das Fahrzeug und meldet den Abschluss zurück.

Wichtig ist die Abgrenzung: Ein TLS steuert Transporte innerhalb eines Standorts. Für Lkw-Touren zwischen Standorten und zu Kunden ist ein Transportmanagementsystem (TMS) zuständig, siehe TMS Software.

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TLS, WMS und TMS im Vergleich

SystemAufgabeRäumlicher BereichBeispiel
TLSZuteilung und Steuerung von Transportaufträgen an FlurförderzeugeLager, Werk, BetriebsgeländeStapler holt Palette von Wareneingang zu Lagerplatz
WMSBestände, Lagerplätze, Ein- und Auslagerung, KommissionierungLagerWelche Ware liegt auf welchem Platz?
TMSPlanung und Disposition von Straßentransporten, FrachtabrechnungStraße, zwischen StandortenWelcher Lkw fährt welche Tour?

Das WMS löst fachlich die Transportaufträge aus (z. B. „Palette von A nach B“). Das TLS entscheidet, welches Fahrzeug sie wann ausführt. Viele WMS enthalten ein TLS-Modul, andere Systeme werden über Schnittstellen verbunden. Zum Lager siehe Lagerverwaltung und WMS Software.

Begriff „Transportleitsystem“ im Straßengüterverkehr

Im Straßengüterverkehr wird das Wort teilweise auch für Dispositions- und Leitstandssysteme gebraucht, die Lkw-Flotten steuern. Technisch ist das ein TMS oder ein Flottenmanagementsystem. Informationen dazu finden Sie in den Glossarartikeln Tourenplanung und Flottenmanagement.

Was sind Logistiksysteme?

Logistiksysteme sind die Gesamtheit aus Prozessen, Einrichtungen, Informationstechnik und Organisation, die den Fluss von Waren und Informationen steuern. Man unterscheidet:

  • Intralogistik: Transport, Lagerung und Kommissionierung im Betrieb. Dazu gehören Fördertechnik, WMS und TLS.
  • Extralogistik: Transporte zwischen Betrieben, etwa Lkw, Bahn oder Schiff. Dazu gehören TMS und Telematik.

Eine Übersicht über Softwaretypen finden Sie im Glossar Logistiksoftware. Die Technik im Lager beschreibt der Artikel Lager- und Fördertechnik.

Was sind Transportsysteme im Lager?

Innerbetriebliche Transportsysteme unterscheiden sich in der Fördertechnik:

  • Stetigförderer: Fördern kontinuierlich, etwa Rollenbahnen und Bandförderer.
  • Unstetigförderer: Fördern einzelne Ladeeinheiten, etwa Gabelstapler, Routenzüge, Krane und Regalbediengeräte.
  • Fahrerlose Transportsysteme (FTS): Fahrzeuge, die automatisch navigieren und Aufträge ausführen.

Das TLS steuert vor allem die Unstetigförderer und FTS.

Aufgaben eines Transportleitsystems

Auftragsvergabe: Das TLS verteilt Aufträge nach Kriterien wie

  • Position und Verfügbarkeit des Fahrzeugs
  • Fahrzeugtyp und Lastaufnahmemittel
  • Priorität und Fälligkeit des Auftrags
  • Art und Gewicht der Ladeeinheit

Wegeplanung: Berechnet werden Fahrwege unter Berücksichtigung von Gängen, Einbahnregelungen, Sperrbereichen und Traglasten.

Vermeidung von Leerfahrten: Das System koppelt Aufträge so, dass ein Fahrzeug nach dem Abliefern direkt einen neuen Auftrag in der Nähe bekommt.

Priorisierung: Eilaufträge werden vorgezogen, zeitkritische Aufträge wie der Warenausgang nach Terminen gesteuert.

Überwachung: Das TLS zeigt Auftragsstatus, Fahrzeugpositionen, Auslastung und Engpässe. Fahrer bestätigen jeden Schritt über Terminal oder Scanner.

Technischer Aufbau

KomponenteFunktion
Leitrechner / SoftwareAuftragsverwaltung, Disposition, Wegeplanung
StaplerterminalFest verbautes Display im Fahrzeug für Aufträge und Rückmeldungen
Mobile Datenerfassung (MDE)Handheld oder Tablet mit Scanner
ScannerBarcode oder RFID zur Identifikation von Ladung und Lagerplatz
OrtungGPS im Außenbereich, im Gebäude z. B. UWB, RFID oder WLAN
SchnittstellenWMS, ERP, FTS-Leitsteuerung

Bei Staplerflotten im Außenbereich kann GPS-Ortung die Positionen liefern, siehe GPS Ortung. Für Ladungsträger und mobile Geräte ist Asset Tracking relevant.

Vorteile

  • Aufträge werden nach festen Regeln statt nach Zuruf vergeben.
  • Leerfahrten und Wartezeiten sinken, wenn Aufträge gekoppelt werden.
  • Jeder Transport wird quittiert und ist nachvollziehbar.
  • Die Disposition sieht Engpässe frühzeitig.

Wie groß der Nutzen ist, hängt von Lagerlayout, Auftragsvolumen und Ausgangslage ab. Belastbare Werte entstehen erst durch eine Messung vor und nach der Einführung, zum Beispiel mit den Kennzahlen Aufträge je Schicht, Leerfahrtenanteil und Auftragsdurchlaufzeit.

Einsatzbereiche

  • Distributionszentren und Kommissionierlager
  • Produktion mit Linienversorgung und Materialbereitstellung
  • Handel mit Wareneingang, Cross-Docking und Filialbelieferung
  • Automotive mit Behälter- und Sequenzlogistik
  • Chemie, Pharma und Lebensmittel mit besonderen Anforderungen an Chargen und Temperatur

Rechtliche Anforderungen

Flurförderzeuge: Für den Betrieb von Flurförderzeugen gelten die DGUV Vorschrift 68 und die BetrSichV. Fahrer von Flurförderzeugen müssen ausgebildet und vom Unternehmer schriftlich beauftragt sein. Grundlage ist der DGUV Grundsatz 308-001. Mehr dazu im Glossar Unfallverhütungsvorschriften.

Fahrerlose Transportfahrzeuge: Für die Sicherheit fahrerloser Flurförderzeuge gilt die Norm DIN EN ISO 3691-4. Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ersetzt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und gilt ab dem 20. Januar 2027.

Datenschutz und Mitbestimmung: Wenn das TLS Positionen oder Leistungen einzelner Fahrer erfasst, sind personenbezogene Daten betroffen. Rechtsgrundlagen sind Art. 6 DSGVO und § 26 BDSG. Der Betriebsrat hat bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung überwachen können, ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG.

Wie wählt man ein Transportleitsystem aus?

Anbieter lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  1. WMS- und ERP-Hersteller, die ein TLS als Modul liefern.
  2. Intralogistik-Spezialisten, die Stapler- und Routenzugsteuerung als eigenes Produkt anbieten.
  3. FTS-Hersteller, deren Leitsteuerung auch manuelle Fahrzeuge koordinieren kann.

Entscheidend sind diese Kriterien:

  • Schnittstellen: Anbindung an das vorhandene WMS und ERP.
  • Fahrzeugmix: Kann das System manuelle Stapler und FTS gemeinsam steuern?
  • Ortung: Welche Genauigkeit brauchen Sie im Gebäude und im Außenbereich?
  • Bedienung: Einfache Oberfläche für Fahrer und Disposition.
  • Anpassung: Lassen sich Prioritätsregeln und Wegeregeln ohne Programmierung ändern?
  • Betrieb: Cloud oder eigener Server, Hosting, Datenschutz.
  • Support: Schulung und Reaktionszeiten.

Einführung

  1. Ist-Analyse der Transportwege und Auftragsarten
  2. Ziele und Kennzahlen festlegen
  3. Schnittstellen zum WMS und ERP klären
  4. Pilotbereich festlegen und Fahrer früh einbinden
  5. Schrittweise ausrollen und Kennzahlen laufend prüfen

Die Dauer hängt von Lagergröße, Fahrzeuganzahl und Schnittstellen ab. Belastbare Angaben liefert ein Angebot für Ihren Standort.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Transportleitsystem?

Ein Transportleitsystem ist eine Software, die innerbetriebliche Transportaufträge automatisch an Stapler, Routenzüge und fahrerlose Fahrzeuge verteilt und überwacht.

Was ist der Unterschied zwischen TLS und WMS?

Das WMS verwaltet Bestände, Lagerplätze und Aufträge. Das TLS steuert die Fahrzeuge, die diese Aufträge ausführen. Viele WMS enthalten ein TLS-Modul.

Was ist der Unterschied zwischen TLS und TMS?

Das TLS steuert Transporte innerhalb eines Standorts. Das TMS plant und disponiert Straßentransporte, zum Beispiel Lkw-Touren. Siehe TMS Software.

Was ist ein Staplerleitsystem?

Ein Staplerleitsystem ist ein TLS für Gabelstapler. Es ordnet jedem Auftrag den günstigsten Stapler zu und führt den Fahrer per Terminal.

Was ist ein Lkw-Leitsystem in der Logistik?

Der Begriff ist nicht fest definiert. Gemeint ist meist ein TMS oder Flottenmanagementsystem, das Lkw disponiert und ortet. Ein klassisches TLS steuert dagegen Fahrzeuge im Betrieb.

Welche Anbieter von Transportleitsystemen gibt es?

Angeboten werden TLS von WMS- und ERP-Herstellern, von Intralogistik-Spezialisten und von Herstellern fahrerloser Transportsysteme. Wählen Sie anhand von Schnittstellen, Fahrzeugmix, Ortung und Support.

Braucht ein TLS eine Ortung der Fahrzeuge?

Ja, das System muss die Position kennen, um den nächsten Stapler zuzuteilen. Im Außenbereich reicht GPS. In Hallen werden Funkverfahren wie UWB, RFID oder WLAN genutzt.

Muss der Betriebsrat zustimmen?

Wenn das System Verhalten oder Leistung von Mitarbeitern erfassen kann, besteht ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG.

Quellen


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