Elektronische Frachtbriefe in der Logistik

Die elektronischen Frachtbriefe sind als Ersatz für die klassische Papierform konzipiert. In der Regel benötigt jeder Transport einen Frachtbrief. Er gibt Auskunft über die Waren, den Start- und Zielpunkt sowie andere Informationen. Ein Frachtbrief ist für Versender, Transporteur und Empfänger wichtig. Der digitale Frachtbrief bringt in der Praxis eine Reihe von Vorteilen mit sich.

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Seit wann gibt es den e-Frachtbrief?

Der digitale Frachtbrief basiert auf einer Verordnung des Europäischen Parlaments. Hier haben sich die EU-Staaten im e-CMR-Protokoll über die internationale Güterbeförderung auf die Einführung von digitalen Frachtpapieren verständigt. Das e-CMR-Protokoll wurde am 20. Februar 2008 im EU-Parlament beschlossen. Es ergänzt das Abkommen über die internationale Güterbeförderung im Straßengüterverkehr aus dem Jahr 1956. Im CMR-Abkommen sind die Regelungen für den Frachtbrief festgelegt.

Das e-CMR-Protokoll ist seit dem 5. Juni 2011 in den Mitgliedsstaaten der CMR aktiv. Die konkrete Einführung des e-Frachtbriefs muss durch die nationale Gesetzgebung bestätigt werden. In Deutschland erfolgte dies am 17. September 2021, als der Bundesrat das e-CMR-Protokoll bestätigte. In einigen Staaten ist der e-Frachtbrief bereits seit mehreren Jahren durch nationale Gesetze geregelt. Dort sind digitale Frachtpapiere beispielsweise bei inländischen Transporten bereits im Einsatz.

Was ist CMR?

Bei CMR handelt es sich um ein Übereinkommen für die Beförderung von Gütern im internationalen Straßenverkehr. Die Abkürzung CMR steht für die französische Bezeichnung „Convention relative au contrat de transport international de marchandises par route“. Dieser Vertrag ist seit 1956 aktiv und gilt in sämtlichen europäischen sowie einigen weiteren Ländern.

Die Regeln der CMR sind verpflichtend, sobald zumindest das Empfangs- oder Abgangsland ein CMR-Mitgliedsstaat ist. Dies betrifft somit auch die Regelungen bezüglich der Frachtpapiere.

Welche Informationen sind in einem digitalen Frachtbrief gespeichert?

Die Daten, die im digitalen Frachtbrief gespeichert sind, legt Artikel 6 der CMR-Vereinbarung fest. Bei diesen Informationen handelt es sich unter anderem um:

  • Name und Adresse von Versender, Empfänger und Frachtführer
  • Ort und Datum der Ausstellung
  • Zielort der Fracht sowie Tag der Übernahme
  • präzise Angaben über Art und Menge der Fracht
  • Kosten für die Beförderung inklusive aller Nebengebühren
  • Zollinformationen

Damit gleicht der digitale Frachtbrief im Inhalt dem CMR-Frachtbrief in Papierform.

Welche Vorteile hat der Einsatz von digitalen Frachtbriefen?

Die Integration eines Systems für digitale Frachtbriefe hat für alle Parteien eines Gütertransports Vorteile. Dazu gehört, dass Statusänderungen in Echtzeit sichtbar sind. So sind sowohl der Absender als auch der Empfänger immer genauestens über die aktuelle Position der Fracht informiert und können sie auch selbst abrufen. Für Spediteure minimiert sich der logistische Aufwand. Der klassische CMR-Frachtbrief muss in 3 Ausführungen erstellt und mitgeführt werden. Mit einem System für digitale Frachtbriefe ist die elektronische Signatur möglich, sodass das Dokument nicht mehr vom Absender vor Ort unterzeichnet werden muss. Das ist dann digital über das Internet möglich. Dies sind einige der zentralen Vorteile des e-Frachtbriefs:

  • Minimierung von Papierdokumenten
  • Statusabruf der Fracht in Echtzeit für alle Beteiligten
  • Beschleunigung von Prozessen im Frachtverkehr
  • Reduzierung der Kosten für Spediteure
  • elektronische Signatur
  • digitale Archivierung aller Frachtbriefe

Wie lässt sich der e-Frachtbrief in der Praxis umsetzen?

Für die Nutzung des e-Frachtbriefs ist eine entsprechende digitale Infrastruktur erforderlich. Da der Frachtbrief nicht nur den Logistiker, sondern auch Versender und Empfänger betrifft, muss ein übergreifendes System vorhanden sein.

In Deutschland arbeitet das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur an einem solchen Projekt. In Kooperation mit dem Fraunhofer IML in Dortmund entsteht eine Open-Source-Plattform für die Verwaltung von elektronischen Frachtbriefen.

Diese Lösung lässt sich in vorhandene Logistik-Plattformen über eine API, also eine programmierbare Schnittstelle, integrieren. Dann wird über eine eigenständige Web-App oder die gewohnte Logistik-Software vom Spediteur ein digitaler Frachtbrief erstellt. Dieser wird elektronisch an den Absender geschickt, der ihn digital signiert.

Eine weitere Version des digitalen Frachtbriefs erhält der Empfänger. Für den Zugriff ist nur eine E-Mail-Adresse oder ein Smartphone erforderlich. Dies ist notwendig, um Absender und Empfänger über den Frachtbrief zu informieren. Alle Aktionen finden dann auf der webbasierten Plattform statt. Dort sind auch die Informationen zur Sendung abrufbar.

Welche Technik ist zur Nutzung des e-Frachtbriefs erforderlich?

Die Implementierung des e-Frachtbriefs erfordert grundsätzlich keine neuen technischen Systeme. Der Disponent kann den digitalen Frachtbrief über das Webportal oder seine Logistik-Software erzeugen. Dies gelingt über den ganz normalen Computerarbeitsplatz. Dabei ist es möglich, über Schnittstellen auf die Daten aus dem eigenen System zuzugreifen. Das ermöglicht den Import von Kundendaten oder Frachtinformationen und beschleunigt die Erstellung des E-Frachtbriefs.

Der digitale Frachtbrief wird dann elektronisch an das Smartphone oder den Tablet-Computer des Fahrers übermittelt. Hier sind alle Informationen zugänglich, und der Fahrer kann den Status der Lieferung aktualisieren. Bei der Ablieferung wird der Empfang digital quittiert. Dies gelingt auch über den Tablet-PC, unter anderem mithilfe eines QR-Codes. Dieser kann vom Empfänger gescannt werden, der so den Empfang digital signiert.

Neben dieser Vereinfachung bietet die Digitalisierung zahlreiche weitere Neuerungen, wie das elektronische Fahrtenbuch. Darüber hinaus schaffen moderne Telematik Lösungen wie die GPS-Ortung und Tacho 360™ die optimale Grundlage, das Sie remote Ihre Fahrtenschreiber auslesen können. Auch Flottenmanager können damit ganz einfach die Fahrerkarte auslesen.

In welchen Ländern und Regionen wird der Einsatz des e-Frachtbriefs möglich sein?

Der e-Frachtbrief wird in allen Ländern möglich sein, die das e-CMR-Protokoll in nationales Recht umwandeln und über technische Lösungen zur Verarbeitung von e-Frachtbriefen verfügen. Dies sind in erster Linie die Mitgliedsstaaten der CMR. Dazu zählen unter anderem:

  • alle 27 EU-Mitgliedsstaaten
  • Großbritannien
  • Schweiz
  • Norwegen
  • Russland
  • Weißrussland
  • Ukraine

Weiterhin gehören Länder wie Albanien, Armenien, Georgien, der Iran und der Libanon zu den CMR-Mitgliedsstaaten. Auch hier ist der Einsatz des e-Frachtbriefs möglich, sofern die Länder die entsprechenden Strukturen geschaffen haben.

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Quellen:


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