Letzte Aktualisierung: 26.11.2025
RDKS ist die Abkürzung für Reifendruckkontrollsystem (englisch: Tire Pressure Monitoring System, TPMS). Seine Aufgabe ist es, permanent den Luftdruck der Reifen zu überwachen. Die Daten stellt das Reifendruckkontrollsystem dann dem Fahrer in Echtzeit zur Verfügung.
Gesetzliche Pflicht in der EU
Seit dem 1. November 2014 besteht innerhalb der Europäischen Union eine Pflicht für alle neu zugelassenen Fahrzeuge der Klasse M1 (Pkw und Wohnmobile) mit einem zulässigen Gesamtgewicht von unter 3,5 Tonnen. Dies wurde mit der EU-Verordnung Nr. 661/2009 vom 13. Juli 2009 und der ECE-Regelung R 64 festgelegt.
Seit dem 20. Mai 2018 gilt ein nicht funktionierendes RDKS bei der Hauptuntersuchung als erheblicher Mangel, was bedeutet: Ohne funktionierendes RDKS gibt es keine TÜV-Plakette.
Was ist die Aufgabe von Reifensensoren?
Die zentrale Aufgabe der Sensoren ist die permanente Überwachung des Reifendrucks in Echtzeit. Mit dieser Funktion tragen die Reifendruckkontrollsysteme zur Sicherheit von Fahrzeug und Fahrer bei. Weiterhin haben die Sensoren oft eine Reihe von sekundären Funktionen, wie die Messung der Temperatur in den Reifen oder die Bestimmung der korrekten Radposition.
Reifendruckkontrollsysteme sorgen zudem für mehr Komfort. Grundsätzlich wird empfohlen, den Reifendruck in einem Abstand von zwei Wochen zu kontrollieren. Ein RDKS hilft dabei, einen abfallenden Reifendruck sofort zu erkennen und nicht erst bei der turnusmäßigen Kontrolle. Viele Fahrer vergessen auch die regelmäßige Überprüfung des Luftdrucks oder führen sie nicht oft genug durch.
Wie gelangen die Daten zum Fahrer?
Es gibt verschiedene Optionen, wie der Lkw-Fahrer an die Daten des RDKS gelangt:
Werkseitig verbaute Systeme: Bei Systemen, die ab Werk vom Fahrzeughersteller verbaut sind, werden die Informationen direkt im Cockpit – oftmals auf dem zentralen Display – angezeigt. So lässt sich neben dem Luftdruck jedes einzelnen Reifens auch die Temperatur kontrollieren. Bei indirekten Systemen ist oftmals eine zusätzliche Kontrollleuchte im Armaturenbrett vorhanden.
Datenübertragung: Die Übertragung der Daten erfolgt entweder per Funk oder über eine Kabelverbindung. Aktive RDKS und nachgerüstete Systeme, die direkt im Ventil des Reifens sitzen, nutzen dafür Bluetooth oder ein ähnliches Verfahren zur kabellosen Übertragung. Die indirekten Systeme sind mit dem ABS-System verbunden und transportieren auf diesem Weg die Informationen.
Smartphone-Apps: Eine weitere Möglichkeit sind Reifendruckkontrollsysteme mit Apps für Smartphones. Dies ist häufig bei Nachrüstsätzen die bevorzugte Art der Informationsübertragung. Die Sensoren übertragen die Daten via Bluetooth an das Smartphone.
Welche Arten von Reifensensoren gibt es?
Die Lösungen unterscheiden sich in direkte und indirekte Reifendruckkontrollsysteme. Der Unterschied zwischen diesen Systemen liegt in der Art des Messverfahrens sowie der Integration.
Indirekte Reifendruckkontrollsysteme (passives RDKS)
Indirekte Reifendruckkontrollsysteme messen den Luftdruck anhand der zur Verfügung stehenden Daten. Sie nutzen unter anderem die Drehzahl der Räder. Die Informationen erhält der Reifensensor vom ABS- oder ESP-Steuergerät. Alternativ ist ein eigenes Steuergerät vorhanden. Indirekte Systeme werden auch als passives RDKS bezeichnet.
Funktionsprinzip: Das System erkennt Druckverlust indirekt über die veränderte Drehzahl eines Rades. Ein Reifen mit zu geringem Druck hat einen kleineren Abrollumfang und dreht sich daher schneller als die anderen Räder.
Direkte Reifendruckkontrollsysteme (aktives RDKS)
Direkte Reifendruckkontrollsysteme befinden sich hingegen direkt im Reifen. Sie sind in der Regel im Ventil platziert. Somit besitzt ein Fahrzeug mindestens vier separate Reifendrucksensoren. Lkw mit mehr Reifen verfügen über dementsprechend mehr Sensoren. Die direkten Reifendruckkontrollsysteme sind auch unter der Bezeichnung aktives RDKS bekannt.
Funktionsprinzip: Sensoren im Reifen messen den tatsächlichen Luftdruck und oft auch die Temperatur. Diese Daten werden per Funk an das Fahrzeug übertragen.
Nachrüstsysteme
Zudem gibt es Lösungen für die Nachrüstung. Sie werden an der Felge oder von außen am Ventil des Reifens befestigt. Auch hier ist es erforderlich, an jedem Reifen einen eigenen Sensor anzubringen.
Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme
Die verschiedenen Lösungen am Markt haben spezifische Eigenschaften und jeweils Vor- sowie Nachteile:
Indirekte Systeme (passiv)
Vorteile:
- Deutlich niedrigere Kosten
- Kein Mehraufwand beim Reifenwechsel (nur Neuanlernen erforderlich)
- Keine zusätzlichen Bauteile im Reifen
- Keine Batterien, die gewechselt werden müssen
Nachteile:
- Weniger präzise Messung
- Erkennt schleichenden Druckverlust langsamer
- Funktioniert nicht, wenn alle Reifen gleichmäßig Druck verlieren
- Keine Temperaturmessung
Direkte Systeme (aktiv)
Vorteile:
- Sehr präzise Messung des tatsächlichen Reifendrucks
- Erkennt schleichenden Druckverlust schneller
- Kann jeden Reifen einzeln überwachen
- Oft zusätzliche Temperaturmessung
- Funktioniert auch bei gleichmäßigem Druckverlust an allen Reifen
Nachteile:
- Höhere Anschaffungskosten
- Mehr Aufwand beim Reifenwechsel
- Zusätzliche Kosten bei Wartung und Sensorwechsel
- Batterielebensdauer der Sensoren begrenzt (ca. 5–10 Jahre)
Warum ist das Messen des Reifendrucks wichtig?
Reifendruckkontrollsysteme bieten messbare Vorteile für Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umwelt. RDKS sind in der Lage, frühzeitig Probleme mit einem Reifen zu identifizieren. Auf diese Weise lässt sich das Fahrzeug stoppen und der Druck kontrollieren, bevor es zu einem Unfall kommt.
Sicherheit
Zu niedriger Reifendruck beeinträchtigt die Fahrsicherheit erheblich. Schon 0,5 bar zu wenig verlängern den Bremsweg auf feuchter Fahrbahn um bis zu 10 Prozent. Ein Minderdruck von 20 Prozent ist die Ursache für 75 Prozent aller Reifenpannen.
Eine Studie der amerikanischen NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) aus dem Jahr 2012 zeigte: Bei Fahrzeugen mit RDKS wiesen nur noch 11,8 Prozent der Reifen einen Minderdruck von 25 Prozent oder mehr auf, während es bei Fahrzeugen ohne RDKS 23,1 Prozent waren – eine Halbierung der Problemfälle.
Kraftstoffersparnis
Durch die Einhaltung des optimalen Reifendrucks reduziert sich der Treibstoffverbrauch. Schon 0,2 bar zu wenig erhöhen den Kraftstoffverbrauch um etwa 1 Prozent. Bei 0,6 bar Unterdruck beträgt der Mehrverbrauch bereits etwa 4 Prozent.
Reifenverschleiß
Ein Reifenminderdruck von 0,4 bar führt zu einem Verschleiß-Anstieg von bis zu 30 Prozent. Bei optimalem Luftdruck kann die Laufleistung der Reifen um bis zu 45 Prozent verlängert werden.
Umwelt
Optimaler Reifendruck reduziert nicht nur den Kraftstoffverbrauch, sondern auch die CO₂-Emissionen und den durch Reifenabrieb generierten Feinstaub.
Zusammengefasst bietet RDKS folgende messbare Vorteile:
- Reduzierter Kraftstoffverbrauch: 1% bei 0,2 bar Minderdruck, bis zu 4% bei 0,6 bar Minderdruck
- Verbesserte Fahrsicherheit: Bis zu 10% kürzerer Bremsweg bei korrektem Druck
- Minimierte Abnutzung der Reifen: Bis zu 45% längere Lebensdauer
- Halbierung der Problemfälle mit kritischem Reifendruck (NHTSA-Studie)
- Reduzierte CO₂-Emissionen und Feinstaub
Über die Messung des Reifendrucks hinaus gibt es weitere Möglichkeiten für Flottenmanager, ihre Flotte zu optimieren und die Einhaltung von Gesetzen zu gewährleisten. Mit unserem eigens entwickelten System Tacho 360™ können Sie den Fahrtenschreiber auslesen und auf Verstöße bei Lenk- und Ruhezeiten kontrollieren. Bei Verstößen können hohe Strafen für Fahrer und Unternehmen drohen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Bußgeldkatalog und Lenkzeiten„.
Darüber hinaus können Sie mit unseren Lösungen einfach die Fahrerkarte remote auslesen und damit unkompliziert den gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen.
Was ist bei einem Reifenwechsel zu berücksichtigen?
Fahrzeuge, die ein Reifendruckkontrollsystem besitzen, haben einen erhöhten Arbeitsaufwand beim Reifenwechsel. Hier gibt es ebenfalls Unterschiede zwischen den aktiven und passiven Systemen.
Reifenwechsel bei indirektem RDKS
Einfacher, schneller und günstiger läuft der Reifenwechsel bei indirekten RDKS ab. Dabei muss das System nach dem Austausch der Reifen neu angelernt werden. Dies gelingt in der Regel über das Fahrzeugmenü und nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.
Reifenwechsel bei direktem RDKS
Komplizierter ist der Reifenwechsel bei Fahrzeugen mit aktivem RDKS. Dies sollte grundsätzlich nur von einer Fachwerkstatt ausgeführt werden. Beim Austausch der Reifen werden auch die Sensoren übernommen. Gleichzeitig ist eine Wartung der Sensoren beim Reifenwechsel sinnvoll. Die Werkstatt sollte sich mit dem Austausch der Sensoren auskennen, ansonsten können Beschädigungen entstehen.
Der Reifenwechsel bei Fahrzeugen mit direktem RDKS nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch. Pro Rad sollte mit 15 bis 25 Minuten Mehraufwand gerechnet werden. Die Sensoren müssen dann zusätzlich auf den neuen Reifendruck programmiert werden, um Warnungen korrekt anzuzeigen.
Zusätzliche Kosten: Bei direkten Systemen können zusätzliche Kosten für das Umprogrammieren der Sensoren (ca. 10–30 Euro pro Rad) und gegebenenfalls für den Austausch defekter Sensoren oder Batterien anfallen.
Quellen:
- EU-Verordnung Nr. 661/2009: https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2009:200:0001:0024:DE:PDF
- ECE-Regelung R 64: https://unece.org/transport/standards/transport/vehicle-regulations-wp29/standards-and-regulations
- NHTSA-Studie (2012): RDKS-Wirksamkeit bei Reifenminderdruck
- ADAC: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifendruck-kontrollsystem/
- Deutscher Verkehrssicherheitsrat: https://www.dvr.de/ueber-uns/positionen-des-dvr/beschluesse/reifendruckkontrollsysteme/
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