aktualisiert am 07.07.2026
Bei der Lkw-Maut handelt es sich um eine Straßenbenutzungsgebühr. Diese fällt in Deutschland für schwere Nutzfahrzeuge auf bestimmten Strecken an. Mit der Straßenbenutzungsgebühr sollen Lkw entsprechend der Nutzung anteilig an den Kosten der Infrastruktur beteiligt werden.
- Wie ist die Lkw-Maut in Deutschland entstanden?
- Welche Strecken in Deutschland sind mautpflichtig?
- Wie hoch ist die Maut für Lkw?
- Mautsätze 2026 CO₂-Emissionsklasse 1
- Welche Fahrzeuge fallen unter das Bundesfernstraßenmautgesetz?
- Technische Umsetzung des deutschen Mautsystems
- Wie wird die Maut entrichtet?
- Wie kontrolliert Toll Collect die Zahlung der Mautgebühren?
- Welche Strafen drohen, wenn die Lkw-Maut nicht entrichtet wird?
- Welche Regelungen gibt es bezüglich der Maut im EU-Ausland?
Wie ist die Lkw-Maut in Deutschland entstanden?
Die Einführung einer streckenbezogenen Lkw-Maut in Deutschland wurde 2002 mit dem Autobahnmautgesetz (ABMG) beschlossen. Nach technischen Verzögerungen startete das System am 1. Januar 2005. Die Organisation und der Betrieb des Mautsystems liegen bei Toll Collect. Das Unternehmen wurde ursprünglich als privates Konsortium aus Deutscher Telekom, Daimler und Cofiroute gegründet; seit 2019 ist Toll Collect eine bundeseigene GmbH. Toll Collect erhebt die Mautgebühren und betreibt die technische Infrastruktur. Die heutige Rechtsgrundlage für die Lkw-Maut ist das Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG), das seit dem 19. Juli 2011 in Kraft ist.
Welche Strecken in Deutschland sind mautpflichtig?
Zur Einführung des Autobahnmautgesetzes waren nur einige Bundesautobahnen von der Lkw-Maut betroffen. Dieses Netz wurde kontinuierlich erweitert. Später wurden neben Autobahnen auch Bundesstraßen mautpflichtig – vor allem Strecken, die zur Umgehung der Maut genutzt wurden und so übermäßig von Schwerlastverkehr betroffen waren. Das Netz der mautpflichtigen Straßen umfasst seit 2019 rund 50.000 Streckenkilometer.
Da es immer wieder zu Erweiterungen kam, stellt das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM, bis 2022 Bundesamt für Güterverkehr) auf der eigenen Webseite eine Mautkarte sowie eine Tabelle bereit, auf denen sich die Strecken prüfen lassen, auf denen eine Maut fällig wird.
Wie hoch ist die Maut für Lkw?
Die Berechnung der Lkw-Maut hat sich im Lauf der Zeit mehrfach verändert. Dabei wurden immer mehr Faktoren in der Kalkulation berücksichtigt, sodass das System zusehends komplizierter wurde. Seit dem 1. Dezember 2023 wird die Lkw-Maut in Deutschland zusätzlich nach CO₂-Emissionsklassen berechnet, um umweltfreundlichere Fahrzeuge zu fördern.
Elektro-Lkw sind nach dem Bundestagsbeschluss vom 14. November 2025 weiterhin von der Maut befreit – die Befreiung wurde bis zum 30. Juni 2031 verlängert. Wasserstoff-Lkw sind dagegen seit dem 1. Januar 2026 mautpflichtig, zahlen jedoch nur einen um 75 Prozent reduzierten Teilsatz für Infrastruktur-, Lärm- und Luftverschmutzungskosten; die CO₂-Komponente entfällt für sie vollständig. Emissionsfreie Fahrzeuge bis 4,25 Tonnen tzGm bleiben dauerhaft mautbefreit. Die frühere Mautbefreiung für erdgasbetriebene Lkw (CNG/LNG) ist bereits zum 31. Dezember 2023 ausgelaufen. Omnibusse aller Art bleiben von der Maut befreit.
Mautsätze 2026 CO₂-Emissionsklasse 1
Die Mautsätze für das Jahr 2026 variieren je nach CO₂-Emissionsklasse, Schadstoffklasse, Gewicht und Achszahl des Fahrzeugs. Für Fahrzeuge mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse über 18 Tonnen und fünf oder mehr Achsen gelten beispielsweise folgende Mautsätze pro Kilometer:
- Euro VI (CO₂-Emissionsklasse 1): 34,8 Cent
- Euro V / EEV: 38,9 Cent
- Euro IV: 41,4 Cent
- Euro III: 47,8 Cent
- Euro II: 51,1 Cent
- Euro I / Euro 0: 51,6 Cent
Diese Sätze setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, darunter Infrastrukturkosten, Luftverschmutzungs- und Lärmbelastungskosten sowie seit Dezember 2023 auch CO₂-Emissionskosten. Die genaue Höhe der Maut hängt somit von mehreren Faktoren ab, die bei der Berechnung berücksichtigt werden müssen.
Welche Fahrzeuge fallen unter das Bundesfernstraßenmautgesetz?
Im Gesetz sind die Nutzfahrzeuge festgelegt, die eine Lkw-Maut entrichten müssen. Entscheidend ist die zulässige Gesamtmasse des Fahrzeugs. Seit dem 1. Juli 2024 gilt die Mautpflicht für Fahrzeuge bereits ab einer technisch zulässigen Gesamtmasse (tzGm) von über 3,5 Tonnen, zuvor erst ab 7,5 Tonnen.
Emissionsfreie Lkw mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb waren bis zum 31. Dezember 2025 vollständig von der Maut befreit. Seit dem 1. Januar 2026 sind auch sie mautpflichtig, zahlen jedoch nur einen um 75 Prozent reduzierten Teilsatz für Infrastruktur-, Lärm- und Luftverschmutzungskosten; die CO₂-Komponente entfällt für sie vollständig. Die frühere Mautbefreiung für erdgasbetriebene Lkw (CNG/LNG) ist bereits zum 31. Dezember 2023 ausgelaufen – seit dem 1. Januar 2024 sind Gas-Lkw regulär mautpflichtig. Omnibusse aller Art bleiben von der Maut befreit.
Ebenfalls befreit sind Fahrzeuge, die unter die Handwerkerausnahme fallen. Die Handwerkerausnahme gilt für Fahrzeuge mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse von 3,5 bis 7,5 Tonnen, sofern sie ausschließlich für den Transport von Material, Werkzeug oder handwerklich hergestellten Gütern verwendet werden. Voraussetzung ist, dass die Güter oder Ausrüstungen im eigenen Handwerksbetrieb verwendet oder produziert wurden. Reine Transportfahrten für Dritte oder zum Vertrieb fertiger Produkte sind von der Ausnahme ausgeschlossen.
Technische Umsetzung des deutschen Mautsystems
Das deutsche Mautsystem von Toll Collect basiert auf zwei Verfahren zur Erfassung der gefahrenen Strecken. Zum einen ist eine manuelle Einbuchung möglich: Sie erfolgt vor Fahrtantritt online über die Website oder die App von Toll Collect. Die früheren stationären Mautstellen-Terminals wurden bereits 2017/2018 abgeschafft. Bei der Einbuchung werden die geplante Strecke sowie Angaben zum Fahrzeug erfasst.
Zum anderen gibt es die Möglichkeit, die gefahrene Strecke per GNSS (Global Navigation Satellite System) erfassen zu lassen. Dies ist für Unternehmen möglich, die sich bei Toll Collect registrieren und eine On-Board-Unit im Fahrzeug einbauen lassen. Dies ist freiwillig. Diese On-Board-Unit registriert die Fahrten auf den mautpflichtigen Strecken für das jeweilige Fahrzeug und verbucht die Mautgebühren auf dem Konto.
Wie wird die Maut entrichtet?
Es gibt mehrere Optionen, wie die Mautgebühren an Toll Collect entrichtet werden:
- Automatische Erhebung per On-Board-Unit (für registrierte Unternehmen)
- Manuelle Einbuchung über die Toll Collect Website oder App
Registrierte Unternehmen haben die Wahl zwischen der Abbuchung der Mautgebühren vom Bankkonto, der Zahlung per Kredit- oder Tank-/Flottenkarte oder der Vorauszahlung auf ein Guthabenkonto bei Toll Collect. Nicht registrierte Nutzer – auch Fahrer aus dem Ausland – können sich über die App oder online einbuchen und per Kreditkarte, Girocard oder Tankkarte bezahlen. Eine Barzahlung an Terminals ist seit deren Abschaffung nicht mehr möglich.
Wie kontrolliert Toll Collect die Zahlung der Mautgebühren?
Bei den Fahrzeugen mit On-Board-Unit erfolgt die Kontrolle via GPS und somit automatisch. Alle Lkw, die nicht über dieses System verfügen, werden stichprobenartig überprüft. Hierfür gibt es 4 Methoden:
- Mobile Kontrollen auf den mautpflichtigen Strecken
- Stationäre Kontrollen an Parkplätzen
- Automatische Kontrollen durch Fotos
- Betriebskontrollen
Toll Collect betreibt rund 300 stationäre Anlagen auf Kontrollbrücken, die Lkw fotografieren. Hier erfolgt eine Stichprobenkontrolle, sodass Verstöße gegen das Mautsystem auffallen. Ebenfalls gibt es mobile Kontrollen auf den Strecken, die vom Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) durchgeführt werden.
Welche Strafen drohen, wenn die Lkw-Maut nicht entrichtet wird?
Entrichtet ein mautpflichtiger Lkw keine Gebühr, liegt ein Mautverstoß vor. Dies beginnt bereits in dem Moment des Fahrtantritts auf der mautpflichtigen Strecke. Ein Mautverstoß kann zu folgenden drei Verfahren führen:
- Nacherhebungsverfahren
- Verwarnung
- Ordnungswidrigkeitenverfahren
Im Nacherhebungsverfahren wird die geschuldete Mautgebühr exakt errechnet und vor Ort kassiert oder per Nacherhebungsbescheid eingefordert. Dies passiert meist bei mobilen Kontrollen, wenn ein Verstoß festgestellt wird. Lässt sich die zurückgelegte Strecke nicht ermitteln, wird die Maut pauschal für 500 km berechnet.
Eine Verwarnung kann ebenfalls bei Kontrollen ausgesprochen werden. Diese kann ein Verwarnungsgeld in Höhe von 55 Euro mit sich bringen. Verwarnungsgelder werden auch ausgesprochen, wenn falsche Angaben zur Maut gemacht wurden, beispielsweise eine falsche Achszahl.
Darüber hinaus sind Bußgelder bei einem Ordnungswidrigkeitenverfahren möglich. Diese liegen in einem Bereich zwischen 120 und 20.000 Euro, abhängig von der Schwere des Mautverstoßes.
Die GPS-Ortung von FleetGO kann die gefahrene Route nachvollziehbar machen und Verstöße aufklären. Fuhrparkmanager können ihre Fahrer damit nachweislich besser managen. Darüber hinaus übernimmt der Fuhrparkmanager auch in vielen Fällen die Aufgabe zum Fahrtenschreiber auslesen und Fahrerkarte auslesen. Dieser Vorgang muss im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben regelmäßig geschehen. Die moderne Tacho 360™ Lösung von FleetGO ermöglicht eine umfassende Fahrtenschreiberanalyse und einfache Übertragung ins Fahrtenschreiberarchiv.
Welche Regelungen gibt es bezüglich der Maut im EU-Ausland?
Viele Länder innerhalb und außerhalb der Europäischen Union haben ebenfalls Mautsysteme eingeführt. Diese sind unabhängig von der deutschen Straßenmaut und müssen somit gesondert entrichtet werden. Speditionen im internationalen Verkehr sollten sich deshalb vor Fahrtantritt informieren und entsprechend vorbereiten. Unter anderem haben die folgenden Länder in Europa ein eigenes Mautsystem:
- Frankreich
- Österreich
- Vereinigtes Königreich
- Polen
- Spanien
- Norwegen
- Italien
Die Höhe weicht von Land zu Land ab. Gleiches gilt für die Bezahlmethoden und die Gültigkeit. Einige Länder haben elektronische Bezahlsysteme und ermöglichen es, die Maut im Voraus zu entrichten. Ansonsten finden sich an Grenzübergängen, Autobahnauffahrten oder Raststätten Möglichkeiten zur Entrichtung der Maut. Zudem gibt es mitunter regionale Mautregeln bei Brücken, Tunneln und an ähnlichen Punkten. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Systeme ist es sinnvoll, sich vor Fahrtantritt über die Mautregeln im jeweiligen Land zu informieren. Dies betrifft auch die Tourenplanung.
Quellen:
- https://www.bag.bund.de/DE/Service/FragenAntwortenFAQ/FragenAntwortenLKWMaut/fragenantwortenlkwmaut_node.html
- https://www.urlaubsguru.de/reisemagazin/mautgebuehren-autobahngebuehren-in-europa/
- https://dserver.bundestag.de/btd/19/039/1903930.pdf
- https://www.bag.bund.de/DE/Themen/Lkw-Maut/lkw-maut_node.html
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