aktualisiert am 20.08.2025
Was ist ein LKW-Tacho?
Der Begriff Tacho ist die Kurzform von Tachograph (oder Tachograf) und stammt aus dem Griechischen: táchos bedeutet „Geschwindigkeit“, gráphein „schreiben“. Wörtlich übersetzt heißt Tachograph also „Geschwindigkeitsschreiber“ – gemeint ist damit nichts anderes als der Fahrtenschreiber, der Lenk- und Ruhezeiten sowie weitere Fahrzeugdaten dokumentiert. Moderne Geräte werden offiziell auch als EG-Kontrollgerät bezeichnet.
Umgangssprachlich wird der Tachograph gelegentlich mit einer „Black Box“ verglichen. Streng genommen ist dies jedoch nicht korrekt, da der Begriff „Black Box“ eigentlich einen Unfalldatenspeicher bezeichnet, der ausschließlich Informationen kurz vor, während und nach einem Unfall aufzeichnet.
Welche Arten von LKW-Tacho/Fahrtenschreibern gibt es?
Es gibt zwei Systeme von Fahrtenschreibern: analoge und digitale Fahrtenschreiber. Beim analogen oder mechanischen Fahrtenschreiber zeichnet das Gerät die Fahrtzeiten auf einer runden Papierscheibe (Tachoscheibe) auf. Diese Fahrtenschreiber werden schon lange nicht mehr verbaut, da seit dem 1. Mai 2006 alle Fahrzeuge zur gewerblichen Güter- und Personenbeförderung in Deutschland und der EU einen digitalen Fahrtenschreiber haben müssen. Manchmal trifft man noch LKW mit Baujahr vor 2006 an, die neben dem digitalen Fahrtenschreiber auch noch einen analogen LKW-Tacho an Bord haben.
Wie funktioniert der LKW-Tacho?
Der Tachograph speichert umfangreiche Daten, inklusive Geschwindigkeiten, Wegstrecken und Zeitkategorien über definierte Speicherfristen (z. B. 365 Tage intern, 28 Tage Fahrerkarte), und ist durch Manipulationsschutz (z. B. Siegel, Signaturen) gesichert. Damit alle Daten individuell zugeordnet werden können, hat jeder LKW-Fahrer in einem aufzeichnungspflichtigen LKW mit EG-Kontrollgerät eine eigene Fahrerkarte.
Der digitale Fahrtenschreiber nutzt GPS-Orten, um eine Vielzahl von wichtigen Informationen zu speichern. Neben den Lenk- und Ruhezeiten zeichnet er auch sämtliche Strecken samt Zwischenstopps auf. Die gespeicherten Informationen können bei Kontrollen von Polizei oder Zoll ausgelesen werden.
Wann ist ein digitaler LKW Tacho Pflicht?
Ein digitaler LKW-Tacho ist in der EU Pflicht für alle gewerblich genutzten Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht sowie für Busse mit mehr als neun Sitzplätzen. Die Verpflichtung gilt seit dem 1. Mai 2006 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge. Seit dem 15. Juni 2019 müssen zudem neue Fahrzeuge mit dem Smart-Tachograph der 1. Generation ausgestattet sein, der zusätzliche GPS-Funktionen enthält. Ab August 2023 ist die zweite Generation verpflichtend, die unter anderem Grenzübertritte automatisch speichert. Ältere Fahrzeuge im internationalen Verkehr müssen bis spätestens August 2025 nachgerüstet werden.
VDO-Tacho für LKW
VDO ist ein Tochterunternehmen des hannoverschen Reifenherstellers Continental, das verschiedenen Lösungen für Datenmanagement im Verkehr herstellt. VDO steht für „Vereinigte DEUTA – OTA“ und wurde 1929 von Adolf Schindling in Frankfurt/Main gegründet. Das Unternehmen entstand damals aus einer Fusion zwischen DEUTA (Deutsche Tachometer-Werke GmbH) und der OTA Apparate GmbH (Offenbacher Tachometer-Werke GmbH). 1991 wurde das Unternehmen von
Mannesmann übernommen, 2000 an Siemens verkauft und von Siemens 2007 an Continental verkauft.
Heute sind die Tachographen von VDO weltweit führend und gehören zu den modernsten auf dem Markt. Unter anderem stellt das Unternehmen den intelligenten LKW-Tacho DTCO 4.0e her, der als neue Funktion das Aufenthaltsland automatisch erkennt. Weitere bedeutende Tachographen-Hersteller sind Stoneridge Electronics (USA), ACTIA I+ME (F) und EFAS (D).
Darf man den LKW-Tacho manipulieren?
Übermüdete LKW-Fahrer verursachen häufig Unfälle und einen großen Teil der Personenschäden. Um das zu verhindern, zeichnen die Tachographen die Eckdaten der Fahrt und die Lenk- und Ruhezeiten der LKW-Fahrer auf. Strenge Regeln sollen dafür sorgen, dass die Fahrer nicht zu lange am Steuer sitzen und ausreichende Pausen machen. Dennoch kommt es häufig vor, dass bei Polizeikontrollen Manipulationen am Fahrtenschreiber festgestellt werden. Früher wurden Magnete eingebaut und die Plomben gelöst, heute wird die Software trickreich manipuliert oder die Geräte einfach abgeschaltet.
Die Manipulation des Fahrtenschreibers ist verboten. Wird sie bei einer Kontrolle in Deutschland aufgedeckt, drohen dem Fahrer und seinem Arbeitgeber empfindliche Bußgelder. Wenn ab Sommer 2023 die nächste Generation der intelligenten Fahrtenschreiber auf den Markt kommt, soll es noch schwieriger werden, den LKW-Tacho zu manipulieren. Und durch die verbesserte „Unterwegskontrolle“ kommt die Polizei den Fahrern auch schneller auf die Schliche.
Tachoscheibe LKW
Für den Betrieb in mechanischen Fahrtenschreibern nutzt man sogenannte Tachoscheiben aus Papier. Auf der Vorderseite haben sie in der Mitte Felder, die der Fahrer handschriftlich ausfüllen muss. Dort trägt er seinen Namen, den Start- und Zielort, das aktuelle Datum, das KFZ-Kennzeichen und die Kilometerstände des Fahrzeugs ein. Auf der Rückseite der LKW-Tachoscheibe werden ebenfalls handschriftlich die Tageslenk- und Ruhezeiten eingetragen sowie Angaben zu weiteren Fahrzeugen, die mit dieser Tachoscheibe gefahren werden. Ist die Tachoscheibe in das Kontrollgerät eingelegt, ritzt eine Nadel die Daten der Lenk- und Ruhezeiten auf der Scheibe ein.
Tachoprüfung für LKW – welche Kosten entstehen?
Gemäß § 57b StVZO müssen Fahrtenschreiber und Kontrollgeräte in LKW mindestens alle 24 Monate durch eine zugelassene Werkstatt geprüft werden. Eine Prüfung ist außerdem nach Einbau, Reparatur oder bei Änderungen von Wegdrehzahl, Wegimpulszahl oder Reifenumfang erforderlich. Auch ein Wechsel des amtlichen Kennzeichens oder eine Abweichung der koordinierten Weltzeit (UTC) um mehr als 20 Minuten machen eine erneute Prüfung notwendig.
Geprüft werden unter anderem Einbau, Zustand, Messgenauigkeit und Funktionsweise des Geräts. Nach erfolgreicher Erstprüfung wird ein plombiertes Einbauschild angebracht. Die Tachoprüfung für LKW darf nur von zugelassenen Werkstätten durchgeführt werden. Die Kosten variieren je nach Anbieter, liegen jedoch in der Regel zwischen 120 und 180 Euro.
Quellen:
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:31970R1463
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