5G-Netz

aktualisiert am 21.08.2026

5G ist die fünfte Generation des Mobilfunkstandards, spezifiziert vom Standardisierungsgremium 3GPP. Das 5G-Netz ist die dazugehörige Infrastruktur aus Antennenstandorten, Funkzugangsnetz und Kernnetz.

5G Netz

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Für Fuhrparks ist 5G kein Selbstzweck, sondern die Übertragungsschicht unter Telematik, Tachographen-Fernauslesung und Sensorik. Entscheidend sind dabei nicht die Spitzendatenraten, sondern drei andere Größen: die Flächenabdeckung entlang der Verkehrswege, die Stabilität der Verbindung und die Frage, welche Mobilfunkgenerationen die verbaute Hardware noch nutzen kann, wenn ältere Netze abgeschaltet werden.

Frequenzen: 5G in Deutschland ist Sub-6-GHz

BandFrequenzEinsatzReichweite je Zelle
n28700 MHzFlächen- und Grundversorgung, ländlicher Raummehrere Kilometer
n31,8 GHzMischnutzung, überwiegend per DSS mit 4Gein bis wenige Kilometer
n12,1 GHzFlächenausbau und Indoor, überwiegend per DSSein bis wenige Kilometer
n783,4–3,7 GHzKapazitätsband, Städte und Ballungsräumetypisch unter einem Kilometer
3,7–3,8 GHzlokal5G-Campusnetze, Zuteilung auf AntragBetriebsgelände
n25826 GHz (mmWave)in Deutschland nicht kommerziell in Betriebwenige hundert Meter

Millimeterwellen spielen in Deutschland keine Rolle. Das 26-GHz-Band wurde nicht versteigert; die Bundesnetzagentur vergibt es auf Antrag für Sonderanwendungen. Wer für seine Flotte mit 20 Gbit/s und Millimeterwellen kalkuliert, kalkuliert mit einem Netz, das hier nicht existiert.

Die Aussage „5G braucht Masten im Abstand von 500 bis 1.000 Metern“ gilt nur für 3,6 GHz. Physikalisch sinkt die Reichweite mit steigender Frequenz. Genau deshalb wird die Fläche über 700 MHz versorgt – dort sind die Datenraten geringer, die Abdeckung aber weitreichend. Für Telematikanwendungen ist das der Regelfall: außerhalb der Städte läuft die Datenübertragung fast immer über ein niedriges Band oder über 4G.

5G Standalone gegen 5G Non-Standalone

Die relevanteste technische Unterscheidung fehlt in den meisten Darstellungen.

  • 5G NSA (Non-Standalone): 5G-Funkzugang auf einem 4G-Kernnetz, häufig als Dynamic Spectrum Sharing, bei dem 4G und 5G sich dasselbe Spektrum bedarfsgerecht teilen. Latenz und Funktionsumfang bleiben nahe 4G.
  • 5G SA (Standalone): vollständig 5G-basiert, im Funkzugangsnetz und im Kernnetz. Erst hier sind Network Slicing, Multi-Access Edge Computing, sehr geringe Latenz und die Anbindung sehr vieler Geräte je Zelle möglich.

Ein großer Teil der ausgewiesenen 5G-Fläche ist NSA. Alle Leistungsversprechen, die auf Echtzeitfähigkeit oder garantierte Bandbreiten abzielen, setzen 5G SA voraus. Die Bundesnetzagentur weist 5G SA deshalb inzwischen separat in der Mobilfunk-Monitoring-Karte aus. Wer für die Flotte Endgeräte beschafft, muss prüfen, ob das Modul 5G SA unterstützt – NSA-Fähigkeit allein ist nicht zukunftssicher.

Datenraten und Latenz: realistische Werte

KennwertTheoretischer Zielwert (IMT-2020)Praxis in Deutschland
Downloadratebis 20 Gbit/s je Zellerund 100–250 Mbit/s auf 700 MHz, ein bis zwei Gbit/s im Spitzenfall auf 3,6 GHz
Uploadratebis 2 Gbit/s je Zelledeutlich niedriger, im zweistelligen bis dreistelligen Mbit/s-Bereich
Latenzunter 1 ms5G SA mit Edge: einstellige Millisekunden; NSA: typisch 20–30 ms

Die Zielwerte gelten je Funkzelle, nicht je Nutzer. Mobilfunk ist ein Shared Medium: Alle Teilnehmer in einem Antennensektor teilen sich die Bandbreite. Die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur nennen deshalb Bandbreiten, die im Antennensektor und im Freien gelten – nicht pro Nutzer garantiert.

Für den Fuhrpark ist das entlastend: Telematik ist keine bandbreitenintensive Anwendung. Positionsmeldungen, CAN-/FMS-Werte und Statusdaten liegen im Bereich weniger Kilobyte. Bandbreite wird erst relevant, wenn Videodaten übertragen werden oder große Tachographendateien im Fernabruf laufen.

Abdeckung in Deutschland: Stand und Auflagen

Der Ausbau begann mit der Frequenzauktion im März 2019; das erste kommerzielle 5G-Netz ging im Juli 2019 in Betrieb.

Nach dem Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur (Datenstand Dezember 2025):

TechnologieFlächenabdeckung durch mindestens einen Netzbetreiber
2Gnahezu flächendeckend
4G (LTE)97,8 %
5G (alle Ausprägungen)95,3 %
mobiles Breitband (4G oder 5G)über 98 %

5G liegt damit hinter 2G und 4G, nicht davor. Wichtiger ist die Betrachtung je Netzbetreiber, weil ein Fahrzeug immer nur in einem Netz eingebucht ist: Telekom erreicht rund 88 Prozent Flächenabdeckung mit 5G, Vodafone rund 76 Prozent, Telefónica rund 76 Prozent, 1&1 rund 2 Prozent (Bundesnetzagentur, 15.12.2025). Die Wahl des Netzbetreibers hinter der SIM-Karte im Telematiksystem ist damit eine Entscheidung über 20 Prozentpunkte Abdeckung.

Mit der Verlängerung der Frequenznutzungsrechte im März 2025 hat die Bundesnetzagentur neue Versorgungsauflagen verknüpft, unter anderem: mindestens 50 Mbit/s auf 99,5 Prozent der Bundesfläche ab 2030, mindestens 100 Mbit/s auf allen Bundesstraßen ab 2029 und mindestens 50 Mbit/s auf allen Kreisstraßen ab 2030. Für Fuhrparks ist das die entscheidende Entwicklung, weil sie erstmals das nachgeordnete Straßennetz erfasst – dort, wo Zustell- und Baustellenverkehre tatsächlich fahren.

Der Netzabschaltungsplan ist das operative Risiko

Nicht der Ausbau von 5G, sondern der Rückbau der Altnetze entscheidet über die Lebensdauer verbauter Hardware.

  • 3G/UMTS ist in Deutschland seit 2021 abgeschaltet. Geräte, die auf 3G als Fallback ausgelegt waren, sind seither auf 2G oder 4G angewiesen.
  • 2G soll ab Mitte 2028 abgeschaltet werden. Telekom und Vodafone haben entsprechende Pläne vorgelegt; die freiwerdenden Frequenzen sollen in 4G und 5G fließen.

Damit endet die Nutzbarkeit reiner 2G-Telematikmodule absehbar. Betroffen sind vor allem älter verbaute GPS-Tracker, Asset-Tracker und Tachograph-Fernabrufmodule, die aus Kosten- und Stromverbrauchsgründen bewusst auf 2G ausgelegt wurden. Vor jeder Nachbeschaffung ist zu prüfen, welche Generationen das Modul unterstützt: mindestens 4G ist Pflicht, LTE-M oder NB-IoT sind für batteriebetriebene Tracker der sinnvolle Weg, 5G SA für alles, was langfristig im Fahrzeug bleibt. Wie Konnektivität technisch angebunden wird, hängt unmittelbar an dieser Entscheidung.

Was 5G im Fuhrpark tatsächlich bringt

Realistisch nutzbar heute:

  • Höhere Uploadraten für Videodaten aus Kamerasystemen und für große Datenpakete. Der Upload ist bei Telematik der Engpass, nicht der Download.
  • Stabilere Fernauslesung des Fahrtenschreibers. Der Remote-Download großer .ddd-Dateien profitiert von Bandbreite und Verbindungsstabilität; die praktische Umsetzung ist unter Fahrtenschreiber auslesen beschrieben, die Geräteseite unter Fahrtenschreiber Kompatibilitätsprüfung.
  • Mehr Geräte je Funkzelle. Für Flotten mit vielen Sensoren – Asset-Tracking, Temperaturüberwachung, Reifendrucksensorik – ist die Gerätedichte je Zelle relevanter als die Datenrate.
  • Kürzere Übertragungsintervalle bei der GPS-Ortung und der Fahrstil-, CAN- und FMS-Analyse, weil Verbindungsaufbauzeiten sinken.
  • 5G-Campusnetze auf Betriebshöfen, Terminals und Umschlagsanlagen über lokal zugeteilte Frequenzen im Bereich 3,7 bis 3,8 GHz. Das ist der einzige Bereich, in dem ein Unternehmen die Netzqualität selbst kontrolliert.

Ausblick, nicht Bestand:

  • V2X-Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur ist in deutschen Nutzfahrzeugflotten nicht im Regelbetrieb. Sie setzt flächendeckendes 5G SA, standardisierte Schnittstellen und straßenseitige Ausrüstung voraus.
  • Ferngesteuertes oder autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen ist kein Netzthema, sondern zuerst ein Zulassungs- und Haftungsthema.

Netzlücken: was im Fernverkehr wirklich zählt

Die reine Flächenzahl sagt wenig über den Fuhrparkalltag. Vier Punkte sind wichtiger:

  1. Versorgung entlang der Verkehrswege. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht Auswertungen zum Versorgungsgrad entlang Bundesfernstraßen, nachgeordnetem Straßennetz sowie Schienen- und Wasserwegen. Diese Daten sind für die Flottenplanung aussagekräftiger als die Gesamtfläche.
  2. Indoor und Fahrzeug. Die Monitoring-Karte zeigt Outdoor-Versorgung. In Fahrzeugen dämpft die Karosserie das Signal; ohne Außenantenne ist die Empfangsqualität schlechter als ausgewiesen. Bei Kühlkoffern und Metallaufbauten ist eine externe Antenne keine Option, sondern Voraussetzung.
  3. Grenzregionen und Ausland. Im internationalen Verkehr entscheidet nicht das deutsche Netz, sondern der Roaming-Vertrag. Eine Multi-Netz-SIM oder eSIM mit Netzwechsel verhindert, dass ein Fahrzeug im Grenzgebiet dauerhaft in einem schwachen Netz hängt.
  4. Offline-Fähigkeit des Endgeräts. Jedes Telematikgerät und jeder Bordcomputer muss Daten lokal puffern und nach Wiederverbindung nachsenden können. Sonst entstehen Lücken in der Aufzeichnung und die sind bei Nachweispflichten ein Problem, nicht nur ein Komfortmangel.

Hybridfähigkeit ist deshalb Pflicht, nicht Kür: Das Modul muss automatisch zwischen 5G, 4G und (bis zur Abschaltung) 2G wechseln. Ein reines 5G-Gerät ist in Deutschland nicht einsetzbar.

FAQ

Was ist das 5G-Netz?

Die Infrastruktur der fünften Mobilfunkgeneration aus Antennenstandorten, Funkzugangsnetz und Kernnetz. Der Standard wird vom Gremium 3GPP spezifiziert.

Welche Frequenzen nutzt 5G in Deutschland?

700 MHz (n28), 1,8 GHz (n3), 2,1 GHz (n1) und 3,4 bis 3,7 GHz (n78). Für lokale Campusnetze wird der Bereich 3,7 bis 3,8 GHz auf Antrag zugeteilt. Millimeterwellen ab 24 GHz werden kommerziell nicht genutzt.

Wie hoch ist die 5G-Abdeckung in Deutschland?

Nach dem Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur sind 95,3 Prozent der Fläche mit 5G versorgt (Datenstand Dezember 2025). 4G erreicht 97,8 Prozent, mobiles Breitband insgesamt über 98 Prozent.

Welcher Netzbetreiber hat die größte 5G-Fläche?

Die Telekom mit rund 88 Prozent, gefolgt von Telefónica und Vodafone mit jeweils rund 76 Prozent. 1&1 liegt bei rund 2 Prozent (Stand Dezember 2025).

Was ist der Unterschied zwischen 5G SA und 5G NSA?

5G Non-Standalone nutzt 5G-Funk auf einem 4G-Kernnetz. 5G Standalone ist vollständig 5G-basiert und ermöglicht erst Network Slicing, Edge Computing und sehr geringe Latenzen.

Erreicht 5G wirklich 20 Gbit/s?

Nein. 20 Gbit/s ist ein theoretischer Zielwert je Funkzelle. In Deutschland sind auf 700 MHz rund 100 bis 250 Mbit/s realistisch, auf 3,6 GHz im Spitzenfall ein bis zwei Gbit/s – geteilt zwischen allen Nutzern der Zelle.

Liegt die 5G-Latenz unter einer Millisekunde?

Nur unter Idealbedingungen mit 5G Standalone und Edge-Computing. Im Non-Standalone-Betrieb liegen die Latenzen typisch im Bereich von 20 bis 30 Millisekunden.

Kann ein Telematiksystem auf 3G zurückfallen?

Nein. Die 3G-Netze wurden in Deutschland 2021 abgeschaltet. Der Rückfall erfolgt auf 4G und bis zur Abschaltung auf 2G.

Wann wird 2G abgeschaltet?

Telekom und Vodafone planen den Beginn der 2G-Abschaltung für Mitte 2028. Reine 2G-Telematikmodule verlieren damit absehbar ihre Funktion.

Braucht ein Fuhrpark 5G-fähige Telematik?

Für die Datenmengen der klassischen Telematik nicht. Relevant wird 5G bei Videoübertragung, hoher Sensordichte und langen Gerätelaufzeiten – dort ist 5G SA die zukunftssichere Wahl. Mindestanforderung ist heute 4G-Fähigkeit mit automatischem Netzwechsel.

Ist V2X-Kommunikation über 5G im Fuhrpark verfügbar?

Nein, nicht im Regelbetrieb. V2X setzt flächendeckendes 5G Standalone und straßenseitige Infrastruktur voraus und ist derzeit Erprobungsstand.

Was ist ein 5G-Campusnetz?

Ein lokales 5G-Netz auf einem Betriebsgelände, betrieben auf von der Bundesnetzagentur auf Antrag zugeteilten Frequenzen im Bereich 3,7 bis 3,8 GHz. Es ermöglicht kontrollierte Netzqualität für Umschlag, Lager und Rangierbetrieb.

Quellen


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