aktualisiert am 11.03.2026
§ 22 StVO gilt ohne Ausnahme für jeden Pkw egal ob Privatfahrt oder Dienstfahrzeug, Kleinwagen oder SUV. Das Problem: Im Pkw fehlen die normierten Zurrpunkte, Rungen und Trennwände, die Lkw und Transporter zur Pflichtausstattung haben. Wer im Pkw transportiert, muss mit begrenzten Mitteln dieselben Sicherungsziele erreichen. Die allgemeinen Grundlagen zu Normen und Sicherungsprinzipien sind im Übersichtsartikel Ladungssicherung zusammengefasst; dieser Artikel behandelt ausschließlich die pkw-spezifischen Besonderheiten.
- Zuladung korrekt berechnen: Wer zu schwer belädt, haftet doppelt
- Ungesicherte Ladung im Pkw entwickelt tödliche Kräfte
- Sicherungsmethoden im Pkw: Mit begrenzter Ausstattung das Maximum erreichen
- Kofferraum hat Vorrang: Ladung im Innenraum ist nur als Ausnahme zulässig
- Dachlast und Dachgepäckträger: Erlaubte Zuladung ist fahrzeugspezifisch begrenzt
- Ladung auf dem Pkw-Anhänger: Eigene Vorschriften gelten zusätzlich
- Ladungssicherung Pkw: Diese Strafen drohen bei Verstößen
- Firmenwagen im Einsatz: Ladungssicherung ist Compliance-Thema
- Häufige Fragen: Ladungssicherung Pkw
Zuladung korrekt berechnen: Wer zu schwer belädt, haftet doppelt
Die zulässige Zuladung ist fahrzeugindividuell und in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 dokumentiert. Die Formel:
| Kennzahl | Bedeutung |
| F.2 – Zulässige Gesamtmasse | In der Zulassungsbescheinigung Teil 1 eingetragenes Maximum. Darf unter keinen Umständen überschritten werden. |
| G – Leermasse | Leergewicht des Fahrzeugs ohne Fahrer, Passagiere oder Ladung. |
| Zuladung = F.2 minus G | Das verbleibende Gewicht darf auf Fahrer, Mitfahrer, Gepäck und Ladung zusammen entfallen. Beim VW Golf (8. Gen.) z.B. ca. 545–620 kg je nach Ausstattung. |
| ⚠ Häufiger Irrtum: Fahrer und Mitfahrer zählen zur Zuladung. Wer mit zwei Personen (je 80 kg) und 80 kg Gepäck unterwegs ist, hat bereits 240 kg Zuladung verbraucht, bevor ein Möbelstück oder eine Getränkekiste hinzukommt. |
Ungesicherte Ladung im Pkw entwickelt tödliche Kräfte
Ein 5 kg schweres Objekt, etwa eine Werkzeugkiste oder ein Getränkekasten, entwickelt bei einer Vollbremsung aus 50 km/h eine Aufprallkraft von rund 30 daN, was einem Gewicht von 30 kg entspricht. Bei 100 km/h vervierfacht sich dieser Wert auf rund 120 daN. Gegenstände, die frei im Innenraum liegen, treffen mit dieser Kraft auf Sitzlehnen, Kopfstützen oder Mitfahrer.
Besonders kritisch ist die umgeklappte Rückbank: Liegt die Rückbank flach, entsteht eine durchgehende Öffnung vom Kofferraum in den Passagierraum. Schwere Ladung kann bei einem Frontaufprall ungebremst nach vorne rutschen und Fahrer oder Beifahrer schwer verletzen, auch wenn die Ladung formschlüssig im Kofferraum gestaut war.
| ⚠ Rückbank umgeklappt: Nur bei Fahrzeugen mit einem stabilen Laderaumtrennnetz oder einer Spannstange ist die umgeklappte Rückbank sicher. Ohne Sicherung gegen Durchrutschen ist die Variante mit aufgestellter Rückbank bei schwerer Ladung grundsätzlich die sicherere Wahl. |
Sicherungsmethoden im Pkw: Mit begrenzter Ausstattung das Maximum erreichen
Im Pkw stehen weder normierte Zurrpunkte noch Rungen zur Verfügung. Die verfügbaren Methoden sind deshalb auf formschlüssige Stauung und Hilfsmittel beschränkt:
| Methode | Anwendung | Einschränkung |
| Formschluss / Stauung | Ladung lückenlos im Kofferraum verteilen, schwere Teile unten und weit vorne. Leerräume mit weichen Taschen, Jacken oder Polstermaterial schließen. | Gilt nur bei kleinen und leichten Gütern. Große oder schwere Einzelobjekte können nicht allein durch Stauung gesichert werden. |
| Spanngurte / Zurrgurte | An den Ösen oder Laderaumhaken im Kofferraum befestigen. Effektiv für Kisten, Geräte, Werkzeug ab ca. 5 kg. | Viele Pkw haben nur 2–4 Haken mit geringer Zugkraft (oft unter 200 daN). LC-Wert des Gurts muss zur Last passen. |
| Gepäcknetz / Laderaumtrennnetz | Trennnetz zwischen Kofferraum und Passagierraum verhindert Durchrutschen bei umgeklappter Rückbank. | Netze halten leichtes Schüttgut und Kleingut; schwere Objekte ab ca. 15 kg benötigen ergänzende Zurrsicherung. |
| Anti-Rutschmatten | Unter jede Ladungseinheit legen. Erhöht den Reibbeiwert und reduziert Verrutschen bei Bremsmanövern. | Kein Ersatz für Zurrsicherung bei schwerer Last; nur sinnvoll als Ergänzung. |
| Dachträger / Dachbox | Für sperriges Gut (Fahrräder, Skier, Dachboxen). Dachlast beachten, meist 50–100 kg je nach Fahrzeug. | Hoher Schwerpunkt verschlechtert Fahrverhalten. Ladung auf dem Dach muss separat gesichert werden. |
Kofferraum hat Vorrang: Ladung im Innenraum ist nur als Ausnahme zulässig
Grundregel: Jede Ladung gehört in den Kofferraum, nicht auf Rücksitz oder Beifahrersitz. Ladung im Fahrgastraum ist schlechter sicherbar, versperrt die Sicht und gefährdet Mitfahrer direkt. Nur wenn der Kofferraum nicht ausreicht, ist der Innenraum als Ladevariante zulässig, unter diesen Bedingungen:
- Kleine, leichte Gegenstände (bis ca. 3 kg) können auf dem Rücksitz liegen, wenn sie nicht verrutschen können.
- Alle Gegenstände im Innenraum müssen formschlüssig oder durch Spanngurt gesichert sein.
- Niemals Ladung auf dem Beifahrersitz ohne aktiven Gurt oder zusätzliche Sicherung das Objekt wird bei einem Aufprall zum Geschoss.
- Sicht nach hinten darf nicht beeinträchtigt sein (§ 23 Abs. 1 StVO).
- Kleinteile wie Schrauben, Werkzeug oder Glasstücke müssen in geschlossenen Behältern verstaut sein.
Dachlast und Dachgepäckträger: Erlaubte Zuladung ist fahrzeugspezifisch begrenzt
Die zulässige Dachlast steht im Fahrzeughandbuch und beträgt bei Kompakt- und Mittelklassewagen häufig nur 50 bis 75 kg, bei SUVs und Kombis oft 75 bis 100 kg. Diese Grenze gilt einschließlich des Gewichts des Gepäckträgers selbst.
Ladung auf dem Dachgepäckträger muss kraftschlüssig gesichert werden: Spanngurte an mindestens zwei Längspunkten und einem Querpunkt. Dachboxen schützen gegen Windkräfte, ersetzen aber nicht die Sicherung des Inhalts. Der höhere Fahrzeugschwerpunkt verändert das Fahrverhalten spürbar, besonders bei Kurvenfahrten und Ausweichmanövern.
| Situation | Regelung |
| Überstand nach vorne (Dach) | Max. 50 cm, nur ab 2,50 m Ladungshöhe zulässig. Unterhalb dieser Höhe kein Überstand nach vorne erlaubt. |
| Überstand nach hinten bis 1 m | Erlaubt, keine Kennzeichnungspflicht. Rotes Tuch zur Sicherheit empfohlen. |
| Überstand nach hinten 1–1,5 m | Kennzeichnung Pflicht: rotes Tuch, Schild oder Warnleuchte. |
| Überstand nach hinten 1,5–3 m | Nur bis 100 km Entfernung zulässig, Kennzeichnung Pflicht. |
| Gesamtbreite mit Ladung | Max. 2,55 m einschließlich seitlich überstehendem Gut. |
| Gesamthöhe | Max. 4,00 m (Richtwert Pkw); Unterführungen und Parkhäuser beachten. |
Ladung auf dem Pkw-Anhänger: Eigene Vorschriften gelten zusätzlich
Viele Pkw-Fahrer weichen auf einen Anhänger aus, wenn die Ladung nicht in den Kofferraum passt. Das ist sinnvoll, aber Anhänger unterliegen eigenen Vorschriften zu Stützlast, Zurrpunkten nach DIN EN 12640 und Gewichtsverteilung auf der Deichsel. Diese sind im Artikel Ladungssicherung Anhänger ausführlich beschrieben. Wichtig: Die Stützlast muss positiv sein. Negative Stützlast durch zu viel Gewicht am Anhängeheck destabilisiert das Gespann und ist ein häufiger Unfallgrund.
Ladungssicherung Pkw: Diese Strafen drohen bei Verstößen
Die Bußgelder für Pkw sind identisch mit denen für Lkw und Transporter § 22 StVO unterscheidet nicht nach Fahrzeugklasse. Den vollständigen Katalog mit allen Positionen und Haftungsregeln enthält der Artikel Bußgeld Ladungssicherung. Die häufigsten Verstöße im Pkw-Alltag:
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Typische Situation |
| Ladung nicht ausreichend gegen Herabfallen gesichert | 60 € | – | Kofferraum offen, Ladung lose |
| Ungesicherte Ladung mit Gefährdung anderer | 75 € | 1 Punkt | Gegenstand fällt während der Fahrt aus dem Fahrzeug |
| Ungesicherte Ladung mit Sachbeschädigung | 100 € | 1 Punkt | Verlorene Ladung beschädigt anderes Fahrzeug |
| Sicht nach hinten beeinträchtigt | 35 € | – | Kofferraum bis zur Heckscheibe vollgestapelt |
| Überschreitung zulässige Gesamtmasse | ab 40 € | – | Häufig unterschätzt bei Kompaktwagen |
| Überstand ohne Kennzeichnung ab 1 m nach hinten | 25 € | – | Latten, Rohre, Skier ohne rotes Tuch |
Bei Personenschäden entfallen Bußgelder, dann gelten Straftatbestände nach § 229 StGB (fahrlässige Körperverletzung) oder § 222 StGB (fahrlässige Tötung). Versicherungen können bei nachgewiesener grober Fahrlässigkeit Regress nehmen.
Firmenwagen im Einsatz: Ladungssicherung ist Compliance-Thema
Unternehmen, die Mitarbeitern Firmenwagen stellen, tragen als Halter die Sorgfaltspflicht nach § 31 StVZO. Das bedeutet: Der Halter muss sicherstellen, dass Fahrer über ihre Pflichten zur Ladungssicherung informiert sind. Ein Fahrtenbuch dokumentiert, wer das Fahrzeug zu welchem Zeitpunkt genutzt hat, entlastend im Haftungsfall. In Kombination mit einer regelmäßigen Führerscheinkontrolle ist sichergestellt, dass nur berechtigte und unterwiesene Fahrer die Fahrzeuge bewegen.
Häufige Fragen: Ladungssicherung Pkw
Darf ich die Rückbank umlegen, um längere Gegenstände zu transportieren?
Ja, das ist grundsätzlich erlaubt. Die Ladung muss aber gegen Vorwärtsrutschen gesichert sein. Ein Laderaumtrennnetz zwischen umgeklappter Rückbank und Vordersitzen ist die empfohlene Lösung. Ohne Trennsicherung haftet der Fahrer bei einem Unfall vollständig für Personenschäden durch nach vorne gerutschte Ladung.
Wie viel darf ich auf dem Pkw-Dach laden?
Die Dachlast steht im Fahrzeughandbuch und beträgt bei den meisten Pkw 50 bis 100 kg einschließlich Gepäckträger. Wird sie überschritten, erlischt der Versicherungsschutz bei einem Unfall und es droht ein Bußgeld wegen Überschreitung der zulässigen Gesamtmasse.
Muss ich auch beim Einkaufen die Ladung sichern?
Ja. § 22 StVO kennt keine Ausnahme für kurze Strecken. Selbst ein Getränkekasten, der beim Anfahren umfällt und eine Glasflasche zerbricht, kann als Versicherungsfall eingestuft werden und bei einer Kontrolle wird das Bußgeld auch bei 500 Metern Fahrstrecke fällig.
Führerschein Frage: Welche Möglichkeit der Ladungssicherung gibt es in einem PKW?
Richtig sind alle 3:
- Den Spanngurt
- Die Anti-Rutschmatte
- Das Gepäcknetz
Quellen:
- https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__22.html
- https://www.nfz-messe.com/de/news/zuladung-wie-viel-gewicht-darf-ins-auto-2508.html
- https://www.vdi.de/mitgliedschaft/vdi-richtlinien/details/vdi-2700-blatt-15-ladungssicherung-auf-strassenfahrzeuge
- n-rutschhemmende-materialien
- https://www.dekra.de/de/zulaessige-gesamtmasse/
- https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/ladungssicherung/ladung-sichern/
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